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Stellungnahme zur aktuellen Muehl - Ausstellung im Leopoldmuseum

Im Leopold Museum in Wien werden fast ausschließlich von Otto Muehl in der Kommune Friedrichshof gemalte Bilder gezeigt ohne in den Ausstellungsräumen auf die Geschehnisse in dieser Kommune einzugehen. So erfährt der Kunstbetrachter nicht, dass Otto Muehl in der Zeit der Entstehung der Bilder ein despotisches, demütigendes und menschenverachtendes System errichtet und schwerste Verbrechen gegenüber Kindern und Jugendlichen begangen hat. Nur durch Hinweise in Muehls Biographie und den eigentlich selbstverständlichen Verzicht auf die Ausstellung von Bildern, auf denen missbrauchte Mädchen abgebildet sind, kann der Museumsbesucher die Zusammenhänge erahnen, in denen Muehl diese „Kommunebilder“ gemalt hat.

Dabei hatte Dr. Diethard Leopold in ersten Gesprächen mit uns angedacht, in den Ausstellungsräumen kritisch über die Muehl-Kommune zu informieren und hierbei auch Berichte der missbrauchten Kinder und Jugendlichen zu veröffentlichen. Diese Informationen sollten auch dem Ausstellungskatalog beigefügt werden. Dies hätte eine kritische Auseinandersetzung mit dem autoritären, unterdrückenden System der Muehl-Kommune, die unserer Meinung nach eine Sekte war, erfordert. Dieser Betrachtung geht das Leopold Museum aus dem Weg. Zudem werden trotz unserer Einwendungen Filme gezeigt, die einer Würdigung von Muehls Leben als Kunstwerk Vorschub leisten.

Die Besucher der Ausstellung sehen die vielen farbigen Gemälde von Muehl und die Schattenseiten der Entstehungszusammenhänge der Bilder werden nicht benannt. Kritische Informationen wie ein Interview mit uns sind auf die Website des Museums ausgelagert. Zu Recht schreibt „Die Presse“ am 10.6.2010: „Der vorsichtige Versuch, nur den Maler Muehl zu zeigen, geht nicht auf. Leben, Kunst und Verbrechen sind zu dicht miteinander verwoben.“

Wir begrüßen, dass sich Dr. Diethard Leopold in einem Statement deutlich von bisherigen Ausstellungen abgrenzt, die das Lebenswerk Muehls zum Lebenskunstwerk stilisierten, und bei denen sich die Opfer erneut verhöhnt fühlten. Die von Dr. Diethard Leopold geäußerte Kritik an Muehl und seinem fehlenden Schuldeingeständnis hat mit dazu beigetragen, dass Otto Muehl in einem Schreiben an seine Agentin Daniele Roussel erstmals nach 20 Jahren öffentlich grundsätzliche Fehler eingesteht und seine Verbrechen nicht länger leugnet. Bis vor kurzem hat Otto Muehl noch jegliche Schuld von sich gewiesen. Die im Katalog des MAK vor 6 Jahren getätigte Aussage „ich bin mir keiner schuld bewusst“ wurde am 11.6.2010 aus Muehls Website entfernt.

Hier finden Sie Presseartikel zur Ausstellung

Die Presse 10.6.10
Der Standard 12.6.10
Profil 7.6.10
FAZ 14.6.10
Die Welt 12.6.10
Stuttgarter Zeitung 15.6.10

Wir freuen uns, dass Bundespräsident Dr. Heinz Fischer unser Schreiben mit großer Aufmerksamkeit gelesen hat und in seiner Antwort gegen eine Verharmlosung von Otto Muehls Verbrechen unter dem Deckmantel der Kunst Stellung nimmt.